Die Vorstudie zur Berufs- und Studienorientierung in Sachsen-Anhalt macht deutlich, dass hierfür neue Wege gegangen werden müssen. Die Bestandsaufnahme der Rahmenbedingungen in Deutschland zeigt, dass es zwar viele engagierte Initiativen gibt, doch die Angebote sind bundesweit oft zu heterogen und stark von regionalen Ressourcen abhängig. An Gymnasien dominiert in der Praxis häufig noch immer die Vorbereitung auf ein Studium, während die duale Ausbildung oft nur eine Nebenrolle spielt. Zudem fehlen in vielen Regionen – insbesondere auch in Sachsen-Anhalt, das durch den demografischen Wandel und eine mittelständisch geprägte Wirtschaft vor besonderen Herausforderungen steht – systematische, verbindliche und zeitgemäße Konzepte. Genau hier setzt diese Vorstudie an. Sie ist als konzeptioneller Anstoß entstanden, um diese Lücke zu schließen, mit dem Ziel, Schulen zu entlasten, Chancengerechtigkeit zu verbessern und Jugendlichen eine durchgängige Orientierung zu bieten, die den Anforderungen einer digitalen Zukunft gerecht wird. KI-gestützte Lösungen erscheinen in der heutigen Zeit als ideale Lösung, um Lehrer:innen zu entlasten, Schüler:innen individuell in ihrer Karriereentscheidung zu unterstützen und gleichzeitig immer aktuell zu sein.
Erwerbsleben – Quo vadis?
Die Berufs- und Studienorientierung an Gymnasien muss vor einem grundlegenden Wandel stehen. Jugendliche müssen heute Entscheidungen für ihre Zukunft in einer Arbeitswelt treffen, die sich rasant verändert: Berufe entstehen neu, Qualifikationsanforderungen verschieben sich, technologische Entwicklungen beschleunigen den Strukturwandel. Gleichzeitig fehlt es im schulischen Alltag häufig an individueller Begleitung, systematischer Diagnostik und einer gleichwertigen Darstellung von Studium und dualer Ausbildung.
Die Vorstudie im Auftrag der IHK Halle-Dessau zeigt, wie generative Künstliche Intelligenz hier ansetzen kann. Im Zentrum steht das Konzept SUPER-KI: ein digital gestütztes, modulares Unterstützungssystem, das Schüler:innen von der 7. bis zur 12. Klasse begleitet. Ziel ist es, individuelle Orientierung zu ermöglichen und gleichzeitig Lehrkräfte zu entlasten – ohne ihre pädagogische Rolle zu ersetzen.
Im Übergang Orientierung geben
Der Übergang von der Schule in Ausbildung oder Studium gehört zu den prägendsten Entscheidungen im Leben junger Menschen, wird aber zunehmend komplexer. Umso wichtiger ist eine fundierte Orientierung, die nicht zufällig entsteht, sondern systematisch begleitet wird. Gute Berufs- und Studienorientierung hilft Jugendlichen, eigene Stärken zu erkennen, Interessen einzuordnen und realistische Perspektiven zu entwickeln. Sie ist damit kein Zusatzangebot, sondern ein zentraler Bestandteil schulischer Bildung – und sollte alle Bildungswege gleichwertig sichtbar machen.
Die SUPER-KI
Das System versteht sich nicht als starres Tool, sondern als dialogorientierter, KI-gestützter Assistent, der den Orientierungsprozess in drei Phasen strukturiert: Erkunden, Explorieren sowie Entscheiden und Umsetzen.
In den Klassen 7 und 8 steht zunächst die Erkundung im Vordergrund. Ein sogenannter Erkundungs-Bot unterstützt Schüler:innen dabei, erste Interessen und Stärken zu identifizieren. In kompakten, mehrtägigen Formaten lernen sie typische Tätigkeitsfelder kennen – etwa „Forschen und Entwickeln“ oder „Heilen und Helfen“. Durch praxisnahe Aufgaben, Simulationen und begleitende Reflexion entsteht ein erstes individuelles Profil, das durch einen Interessen- und Fähigkeitstest ergänzt wird.
In den Klassen 9 und 10 folgt die Vertiefung. Ein Analyse- und Entscheidungs-Bot knüpft an die bisherigen Ergebnisse an und schlägt passende Berufsfelder vor. Gleichzeitig stellt er strukturierte Informationen zu Qualifikationen, Arbeitsbedingungen, Verdienstmöglichkeiten und regionalen Besonderheiten bereit. Ein zentrales Element ist die Simulation unterschiedlicher Bildungswege, in der Studium und Ausbildung systematisch vergleichbar werden. So entsteht eine fundierte Grundlage für eigenständige Entscheidungen.
In der Oberstufe richtet sich der Fokus schließlich auf die konkrete Umsetzung. Ein Bewerbungs- und Entscheidungsassistent unterstützt bei der Recherche von Studien- und Ausbildungsangeboten, analysiert Zugangsvoraussetzungen und Fristen und hilft bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen. Auch praktische Fragen wie Wohnsituation, Finanzierung oder Lebenshaltungskosten werden einbezogen, sodass Entscheidungen nicht nur theoretisch, sondern realitätsnah getroffen werden können.
Möglichkeit zur Individualisierung
Jede Schülerin und jeder Schüler erhält passgenaue Impulse, Reflexionsfragen und Rückmeldungen – unabhängig von Klassengröße oder verfügbaren Ressourcen. Gleichzeitig erhöht sich die Praxisnähe, da Simulationen und interaktive Formate berufliche Anforderungen greifbar machen. Auch im Bereich der Diagnostik entsteht ein Mehrwert: Interessen und Kompetenzen lassen sich systematisch erfassen und auswerten, ohne zusätzlichen Korrekturaufwand für Lehrkräfte. Darüber hinaus kann ein zentral bereitgestelltes System zur Chancengerechtigkeit beitragen, indem es landesweit vergleichbare Qualität sicherstellt.
KI ist kein Ersatz für pädagogische Begleitung. SUPER-KI basiert daher auf drei Grundprinzipien. Erstens bleibt die Verantwortung bei den Lehrkräften, die den Prozess steuern und begleiten. Zweitens haben Datenschutz und Transparenz höchste Priorität; persönliche Daten werden pseudonymisiert und ausschließlich zweckgebunden verwendet. Drittens folgt das Konzept einem handlungsorientierten Ansatz, bei dem reale Erfahrungen und konkrete Entscheidungsprozesse im Mittelpunkt stehen.
Chancen überwiegen, trotz aller Herausforderungen
Die Einführung eines solchen Systems bringt dennoch Herausforderungen mit sich. Fragen des Datenschutzes, der Akzeptanz bei Lehrkräften und Eltern sowie der technischen Umsetzung müssen sorgfältig geklärt werden. Zudem fehlt es bislang an etablierten Vergleichsmodellen – vieles wird sich erst in der praktischen Anwendung bewähren müssen.
Trotzdem überwiegen die Chancen. SUPER-KI kann dazu beitragen, Bildungsentscheidungen fundierter zu gestalten, Lehrkräfte gezielt zu entlasten und Jugendlichen eine zeitgemäße, individuelle Unterstützung zu bieten. Gleichzeitig fördert das System Kompetenzen im Umgang mit digitalen Technologien – eine Fähigkeit, die in der Arbeitswelt von morgen zunehmend an Bedeutung gewinnt. SUPER-KI ist mehr als ein technisches Werkzeug. Es ist ein konzeptioneller Ansatz, der zeigt, wie Berufs- und Studienorientierung künftig aussehen kann – digitaler, individueller und stärker an den realen Entscheidungsprozessen junger Menschen ausgerichtet.


